[CfP] Social Semiotics: Mediale Tradierung – kulturelle Transformationen im digitalen Zeitalter

Winterschule

Passau, 20.–23. Februar 2019

Social Semiotics: Mediale Tradierung – kulturelle Transformationen im digitalen Zeitalter

Kylie Jenner, Besitzerin des nach eigenen Angaben meistbesuchten Accounts auf Snapchat, twitterte im Februar 2018, Snapchat nach einem Update nicht mehr nutzen zu wollen. Daraufhin brach der Börsenwert der Aktie der App-Betreiberfirma Snap um etwa 1,7 Milliarden Dollar ein. Neue Meinungsführer in digitalen Kommunikationsräumen verändern, wie dieses Beispiel zeigt, ökonomische Machtkonzentrationen und beschleunigen Wandlungsprozesse. Inwiefern diese Veränderungen ihrerseits jedoch von Dauer sind, ist fraglich.

In der vom 20. bis 23. Februar 2019 geplanten Winterschule soll diskutiert werden, wie sich neue mediale Möglichkeiten zu konventionellen Strukturen und AkteurInnen der kulturellen Tradierung sowie zur Generierung von kulturellem Wissen verhalten. Dabei wird u.a. in den Blick genommen, wie sich mediale Tradierung im digitalen Zeitalter wandelt – vor allem über partizipative Möglichkeiten im Internet und Kommunikationsoperatoren wie bspw. den Hashtag.

Aktuell ablesbar wird dies etwa an der kontrovers diskutierten #MeToo-Debatte. Dabei ermöglicht die Digitalisierung zum einen eine globale Vernetzung gesellschaftlicher Gruppen und damit politische Aktivitäten, die nicht an nationale Grenzen gebunden sind. Zum anderen werden gewachsene, institutionelle Systeme von neuen Wertigkeiten und Strukturen, die außerhalb traditioneller Diskursbereiche liegen, ins Wanken gebracht. Diesen Machtdiskursen gilt es unter veränderten Verhältnissen in der digitalen Öffentlichkeit nachzugehen.

Die Winterschule nähert sich dem Tradierungsprozess als einem sozialen Phänomen an, bei welchem die dynamischen Interaktionen in gesellschaftlichen und sozialen Gefügen mit zu berücksichtigen sind. Unter den veränderten Verhältnissen in der digitalen Öffentlichkeit ist ein Augenmerk insbesondere auf die Frage zu richten, ob digitale Diskurspraktiken bloß an der Tradition rütteln, in der Folge jedoch von etablierten Diskursmustern und AkteurInnen wieder ‚eingefangen‘ werden oder ob eine tatsächliche Veränderung tradiert wird, d.h. kulturelle Transformation stattfindet. In der Winterschule werden zu diesem Zweck beteiligte AkteurInnen, soziale Implikationen, technische Voraussetzungen und kulturelle Institutionen zueinander in Beziehung gesetzt und Tradierungsprozesse in übergeordnete Werte-, Medien- und Diskurssysteme eingebettet. Dazu wird die Tradierung auf den drei (sich wechselseitig beeinflussenden) Ebenen der Kanonisierung, Archivierung und Medialisierung perspektiviert.

Mögliche Themenfelder können darstellen (sind aber nicht begrenzt auf):

Kanonisierung

  • Was wird tradiert? / Tradierung aus kultureller Perspektive
  • Auf welche Weise funktioniert Tradierung?
  • Wie verhalten sich semiotische Tradierungskonzepte zu eher kulturwissenschaftlichen Modellen (etwa die Semiosphäre nach Lotman vs. das kulturelle Gedächtnis nach A./J. Assmann)
  • Gibt es so etwas wie ein kulturelles Zentrum? Wie äußert sich dieses?
  • Wie verhält sich das Konzept einer pluralen Gesellschaft zur Kanonbildung? Gibt es einen Gegenkanon?
  • Gibt es einen spezifischen Internet-Kanon? Entstehen dort andere Inhalte der Kanonbildung? Haben wir es über individualisierte Nutzungserlebnisse und Algorithmisierung mit automatisierten Kanonbildungsprozessen im Internet zu tun?
  • In welcher Relation steht der Kanon zum Bildungssystem? Woran scheitern Tradierungsprozesse? Wann geraten kanonisierte Inhalte in die Krise?

Archivierung

  • Welche Strukturen und AkteurInnen moderieren und organisieren den Tradierungsprozess?
  • Wie verhalten sich die medialen Strukturen des Internets zu anderen kulturellen Formen der Tradierung?
  • Welche AkteurInnnen-Interessen spielen im Internetkontext eine Rolle?
  • Wer hat eine Gatekeeperfunktion bei der Tradierung? Wie gestalten sich im Internetkontext die personellen und institutionellen Strukturen?
  • Wie verhalten sich digitale Influencer zu ‚klassischen‘ kulturellen Meinungsführern?

Medialisierung

  • Was wird tradiert? / Tradierung aus Medien- und Textperspektive
  • Typische Rhetoriken / Strategien der Tradierung, Merkmale ‚tradierender‘ Kommunikation
  • Relation von Tradierungsmodi zu den sie konstituierenden Textstrukturen
  • Welche semantischen Modelle und Ideologien werden im Rahmen von Tradierungsprozessen produziert?
  • Verhalten sich bestimmte Praktiken und mediale/dispositive Merkmale positiv zur Tradierung?

Informationen zu Organisation und Ablauf

Die interdisziplinäre Winterschule wird vom 20. bis 23. Februar 2019 an der Universität Passau stattfinden. Die Veranstaltung richtet sich an NachwuchswissenschaftlerInnen (Promovierende, Postdocs). Im Fokus steht die Vernetzung kultur-, medienwissenschaftlicher und semiotischer Perspektiven sowie theoretischer und analytischer Zugänge. Dabei sollten sowohl konkrete Beispielanalysen von Tradierungsprozessen als auch Rhetoriken der Tradierung und Kanonbildungsprozesse (macht-/prozessanalytisch) im digitalen wie nicht-digitalen Kontext berücksichtigt werden.

Die Vorträge haben eine Länge von 15 Minuten. Neben den Vorstellungen der Projekte wird die Winterschule die Möglichkeit zu intensiven Einzelberatungen durch etablierte WissenschaftlerInnen bieten, daneben Keynotes sowie Workshopformate, um über die Veranstaltung hinaus langfristige Projekte und Kooperationen zu generieren.

Bestätigte Keynotes: Prof. Dr. Wulf Kantsteiner, Prof. Dr. Christian Pentzold, Prof. Dr. Achim Eschbach, Prof. Dr. Massimo Leone und Dr. Vivien Sommer. Als Chairs der Panels fungieren weitere ausgewiesene ExpertInnen der Bereiche Kulturwissenschaften, Medienwissenschaften mit Schwerpunkt Digitale Medien, Kommunikationswissenschaften sowie der Semiotik.

Ihr Abstract (inkl. Vortragstitel) mit einem Umfang von 300 bis 500 Wörtern und einen Kurzlebenslauf senden Sie bitte als eine PDF-Datei bis zum 15.10.2018 per E-Mail (Betreff: digitale Tradierung) an:

Jan-Oliver.Decker@uni-passau.de/Martin.Hennig@uni-passau.de/Miriam.Piegsa@uni-passau.de

Eine Veröffentlichung der Beiträge ist geplant. Reisekosten und Übernachtungskosten können übernommen werden.

Die Benachrichtigung über die Annahme der Beiträge erfolgt Ende Oktober.

Für Fragen stehen Ihnen die VeranstalterInnen gerne zur Verfügung.

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